Affilidays 2016 Ralf Schmitz
Social Business

Affilidays 2016: Zwischen Hoffnungsmarketing und Podcast-Euphorie

Wir bekommen Papiertüten. Mit Wasser, Chips und Keksen. Offenbar weiß niemand, wie lange wir hier noch gefangen gehalten werden. „Ihr Flug wird sich noch weiter verspäten. Bitte verlassen Sie auf keinen Fall das Terminal“.

16. April 2016. Es ist Freitag Abend, 22.03 Uhr. Ich wäre seit 90 Minuten in Köln, theoretisch jedenfalls. Statt dessen sitze ich in einem überfüllten AirBerlin-Flieger. Immerhin habe ich jetzt einen Sitzplatz. Am nächsten Morgen –  Samstag morgen – um 9 Uhr würde ich auf den Affilidays 2016 den Motivationsvortrag von Edgar Itt mit erleben. Falls wir bis dahin in Köln ankommen.

„Liebe Fluggäste. Hier spricht der Kapitän. Wir entschuldigen uns für die starke Verspätung heute Abend auf dem Weg nach Köln. Ich dachte, Sie wollen sicher wissen, was passiert ist. [Ja!] Aufgrund des starken Gewitters im Raum Berlin am frühen Abend wurde unsere Maschine nach Leipzig umgeleitet. Wegen einer Bombemdrohung am Leipziger Flughafen mussten wir dann 1 Stunde mit dem Weiterflug nach Berlin warten und freuen uns jetzt, in den nächsten 20 Minuten den Flug nach Köln starten zu können…!“

Immerhin einer hatte noch Humor: der Herr im Cockpit.

Mein Humor kam erst am nächsten Morgen wieder: Es gab wahnsinnig bewegende Vorträge, die mir so manch Lach- und Krokodilsträne entlockt haben. Auch inhaltlich war es super spannend: es ging weit über das Thema Affiliate-Marketing hinaus und brachte auch für die Einäugigen unter den Blinden reichlich Aha-Erlebnisse.

Für die nun resultierenden Nebenwirkungen spontan aufgetretener (Nach-)Denkprozesse haftet der Initiator Ralf Schmitz leider nicht;-)

Über Hürden muss man LAUFEN, nicht springen

Den Auftakt der Affilidays machte Edgar Itt, einer der schnellsten Hürdenläufer der Welt. Damals, als ich noch zur Grundschule ging, gewann er die Bronzemedaillie über 4mal-400m-Staffellauf der Männer bei den Olympischen Spielen in Seoul. Er erzählt die bewegende Geschichte eines kleinen schwarzen Jungen, aufgewachsen in einer Tausend-Seelen-Gemeinde mitten in Deutschland. Von seinem ersten Waldlauf, kaputten Turnschuhen und der Vision, bei den Olypmischen Spielen in Seoul mitzulaufen.

Was verbindet ihr mit einer „Hürde“?

Probleme, Blockade, drumrum-laufen, unten-druch…die Assoziationen waren reichlich. Nach einer kleinen Geschichte über ein Wettrennen im Hürdenlauf gegen einen Polizeihund kommt die Erklärung, warum es HürdenLAUF heisst – und nicht Hürdensprung: Um erfolgreich zu sein, kommt es drauf an, dass die Hürde nicht übersprungen, sondern „überlaufen“ wird. Nur dann kann zwischen den Hürden zügig weitergelaufen werden – es kommen ja noch mehr Hürden. Wer statt dessen Hürden überspringt, verliert den Rhythmus, kommt aus dem Tritt und verliert viel Zeit. Das hat sogar der schnellste Polizeihund gemerkt.

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Affilidays 2016: Edgar Itt über Hürden und Motivation

Edgar Itts abschließender Tipp: Hürden sind kein echtes Hindernis. Einfach drüberLAUFEN. Niemals springen.

Hoffnungsmarketing ist Hoffnung, kein Marketing!

Ein zweiter Vortrag blieb lange in meinen Gedanken. Der Referent hatte ein wunderbar greifbares Wort benutzt: er sprach von Hoffnungsmarketing. Davon, dass das Marketing vieler Unternehmer vor allem auf eines setzt: die Hoffnung, dass die nächste Aktion endlich den Durchbruch bringt. Die Hoffnung, dass das nächste Programm endlich Umsatz in 6-stelliger Höhe einfährt. Die Hoffnung, dass „man endlich mal dran ist“, schließlich hat man alles getan, sich große Mühe gegeben.

Affilidays_Hoffnungsmarketing

Affilidays 2016: Alles pures Hoffnungsmarketing?

Halt Stopp, solche ähnlichen Aussagen kenn ich doch: „Er war stets bemüht“ reichte schon in der Schule aus, um zu erklären, warum es gerade so gereicht hat. Haarscharf. Gereicht zum Überleben – aber nicht zum Gewinnen.

Ich nehme das volle Bewußtsein mit zurück auf meinen (nur marginal verspäteten) Flug nach Berlin: verzettel dich nicht in unzähligen Tools und Ansätzen. Konzentriere dich auf wenige greifbaren Aktivitäten und bleib dran. Dran an deinem Ziel, an deinen Kontakten und an deiner Vision.

Ganz Amerika hört Podcasts!

Tom Kaules hat das wohl schönste (fahrende) Büro. Immer mit traumhaftem Blick auf Meer oder Berge. Seit 2012 reist er mit seiner Frau in einem Wohnmobil durch die Welt. In den letzten Monaten sind die beiden in USA / Mexiko unterwegs und waren am Wochenende auf den Affilidays in Köln.

Tom begeistert uns für die Idee, mit einem eigenen Podcast ein Business aufzubauen. Er erzählt von der Leichtigkeit, einen Podcast zu produzieren („Ich brauche 30 Minuten Zeit für 20 Minuten Sendezeit…“). Davon, dass er sich nie Gedanken über ein passendes Setting machen muss, über die nicht-sitzende Frisur. Im Podcast sieht ihn ja niemand. Damit hat er gleich mein größtes Problem mit meinen bisherigen Video-Versuchen erwischt: bis ich mir selbst gefalle, braucht es 324 Anläufe…

Neben der eigenen Begeisterung gibt es aber auch ein paar Fakten. Tom gibt gleich zwei sehr einfache Argumente, warum ein eigener Podcast für nahezu jeden Unternehmer eine ersthafte Überlegung wert ist: „Ganz Amerika hört Podcasts!“ – es gibt kein Thema, zu dem es dort keinen Podcast gäbe. Egal ob Kochen, Putzen, Immobilien oder Hühnerzucht! In 5 Jahren wird das in Deutschland auch so sein. Schade für den, der diesen Zug verpasst.

Das zweite Argument wird der Verbreitung in Deutschland in den nächsten Monaten wohl einigen Vorschub geben: Namenhafte Autohersteller integrieren mit Apple CarPlay die Podcast-App direkt auf dem Startbildschirm der Autonavigation. Mit einem Tastendruck startbar.

Bleiben also zwei Fragen: Fährt die eigene Zielgruppe Neuwagen? und: Worüber könnte ICH denn podcasten? Zu Frage 1 kann ich direkt sagen: JA :-) und zu Frage 2? Hmmmmmm. Gute Frage!

Affilidays 2016: Das habe ich mitgenommen

In den gut 20 Vorträgen auf den Affilidays gab es so viel interessante Ideen, dass meine eigene ToDo-Liste geradezu geflutet ist. Ich sitze seit gestern über einer kleinen unscheinbaren Broschüre, die Wolfram Andes als sein Vermarktungsgeheimnis vorgestellt hat und bin voller Euphorie, diese Idee auf mein Business umzumünzen.

Bei jedem Kaffee samt Keks (ohne Chips) geistert die Idee mit dem Podcast durch meinen Kopf. …Es wäre so einfach … die Technik ist vorhanden … Speaker-Erfahrung reichlich … Und dennoch: die größte Schwierigkeit nach diesem Wochenende bleibt:

„Verzettel dich nicht!“

 

(Und für die nächsten Affilidays brauch ich ein aktuelles Smartphone…bessere Bilder, Facebook Live und ein VIP-Ticket!)