PR für Startups: Interview mit Katrin Becht von Herzblut-PR
Experten

PR für Startups: Experteninterview mit Katrin Becht

Öffentlichkeitsarbeit? Brauch ich nicht. Ich bin ja kein Pop-Sänger. Und auch kein Schauspieler.

Das dachte ich jedenfalls bis vor kurzem. Bis zu dem Tag, an dem das Telefon meines Mannes mehrmals klingelte und „irgendwelche“ Zeitungen um ein Interview baten. Und es wurden immer mehr!

Grund genug, meine eigene Meinung auf den Prüfstand zu stellen und eine Expertin zu fragen. Ich wollte wissen, wie das Thema PR für Startups und Gründer funktioniert, was es bringt mitzumachen und natürlich worauf es zu achten gilt.

Hintergrund dieses Interviews ist unser Familienprojekt fairwindel – mit dem mein Mann im Juli den 3. Platz beim Businessplan-Wettbewerb Berlin/Brandenburg gewann – und ungeahnte Wogen der Öffentlichkeitsarbeit lostrat.

Katrin Becht von herzblut-PR hat viele Jahre Erfahrung im PR-Bereich und mir meine neugierigen Fragen geduldig beantwortet. Und ganz nebenbei Mut gemacht, unbedingt weiter zu machen.

Hier ist die Zusammenfassung unseres Gespräches:

[Kathrin Franck] Hallo Katrin, bevor wir einsteigen: Magst du dich kurz selbst vorstellen?

Wer bist du und was machst du?

Hallo Kathrin – ich bin auch Katrin, 37 Jahre alt und Mutter von zwei kleinen Kindern. Ich bin mittlerweile seit über 12 Jahren im PR-Bereich tätig. Ich habe lange in Agenturen in München im Life-Style-Bereich gearbeitet und habe mich 2014 selbständig gemacht.

Mit Herzblut-PR betreue ich kleine, feine und zum Teil „nachhaltige“ Kunden, in die ich wirklich mein Herzblut legen und sie ganz individuell betreuen kann. Das sind Kunden, bei denen man selbst etwas Gutes tun, etwas bewirken kann.

[Kathrin Franck] Wir – also mein Mann und ich – haben in den letzten Wochen sehr unverhofft PR-Erfahrungen gesammelt. Wir sind damit sehr pragmatisch und vielleicht auch etwas naiv umgegangen. Nach den ersten veröffentlichten Berichten in Lokalzeitungen wurde es immer mehr, es meldeten sich lokale Radiosender und sogar zwei Fernsehsender.

Mir scheint, dass PR nach sich zieht. Ist das Zufall?

Nein, das ist natürlich genau, wie die Maschinerie funktioniert. Je bekannter man wird, je mehr Leute darüber lesen, desto mehr PR bekommt man natürlich auch.

Die Journalisten lesen ja auch ihre „Konkurrenzmedien“ und andere Zeitschriften und Zeitungen oder sehen Fernsehen. Und stoßen so selbst immer auf Geschichten oder Unternehmen, die sie spannend finden oder die in ihren Themenplan passen. Sie suchen dann oft einfach einen bisschen anderen Aufhänger oder wollen ein Interview oder Hintergrundgespräche. Das ist der sogenannte Butterfly-Effekt, der da in Gang kommt.

Bisher nehmen wir jede Anfrage an. Ist das denn die richtige Vorgehensweise?

Auf jeden Fall! Wenn ihr schon so gut dabei seid, solltet ihr das unbedingt nutzen. Es wird später schwieriger sich wieder ins Gespräch zu bringen, wenn man eine Zeitlang nichts gemacht hat oder das Unternehmen bzw. die Idee nicht mehr so ganz neu ist. Wenn man jetzt schon drin ist, sollte man das unbedingt nutzen, die Kontakte gut pflegen und schauen, wie man den Ball weiter spielen kann.

Das kostet wahnsinnig viel Zeit. Kann man das irgendwie sinnvoller machen?  

Leider kostet es tatsächlich viel Zeit PR zu machen – und vor allem gute PR zu machen. Aber es ist eines der größten Erfolgsinstrumente für neue, junge Firmen und Startups und diese Zeit sollte man unbedingt investieren. Weil man dadurch auf halbwegs einfache und vor allem kostengünstige Weise sehr, sehr viel zurück bekommt und sich bekannt macht.

Es gibt tatsächlich viele kleine Firmen, die über PR „groß“ und bekannt wurden. Und dieses Instrument darf man wirklicht nicht verachten. Gerade wenn man noch kein Budget für andere Marketing- oder Werbemaßnahmen hat, sollte man in PR investieren.

Kurzum: PR ist etwas, was Zeit kostet aber eben sonst erst einmal nichts. Allerdings gibt es natürlich ein paar Instrumente und Abläufe, die man standardisieren kann um alles etwas einfacher zu machen. So dass man nicht immer wieder einen neuen Text schreiben muss.

Aber dennoch: die persönliche Pflege der Kontakte ist einfach zeitintensiv.

Ich hab von sogenannten Pressemappen gehört. Was muss da rein – und was mach ich mit so einer Mappe dann überhaupt?

Eine Pressemappe ist eines der Instrumente, die ich gerade meinte. Es macht sehr viel Sinn, eine Pressemappe zusammenzustellen, denn damit hat man etwas, was man an Journalisten rausgeben kann ohne jedes Mal erneut Informationen zusammen zu stellen.

In eine Pressemappe soll ein Imagetext über das Unternehmen hinein, mit allen Informationen, die wirklich wichtig sind. Sprich:

  • Wer seid ihr?
  • Wie kamt ihr auf die Idee?
  • Was ist der aktuelle Stand?
  • Wo und wann wird es das Produkt zu kaufen geben?
  • Zu welchem Preis?

Was bei einem Startup auch immer noch Sinn macht, ist ein Text über den Gründer oder die Gründer. Und ein paar schöne Fotos sollte man auf jeden Fall parat haben.

Eine „Pressemappe“  heißt nicht wirklich, dass das eine Mappe mit hunderttausend Broschüren sein muss. Im Prinzip sind es ein oder zwei gute Texte mit den Hintergründen und einigen Fotos. Und das ganze in jedem Fall digital! Ausgedruckte Texte braucht heute eigentlich kaum noch jemand.

Am allerbesten wäre es, den Journalisten eine Downloadmöglichkeit zu bieten. Das kann entweder auf der eigenen Homepage sein – oder (auch wenn es nicht ganz so professionell ist aber dennoch viel genutzt wird) über Dropbox oder ähnliche Dienste.

[Kathrin Franck] Momentan berichtet vor allem die lokale Presse über uns, hier in Berlin und Umland und in unseren Heimatstädten; sprich in der Schweiz und Sachsen-Anhalt gibt es auch bald Berichte. Unser Projekt soll aber ganz Deutschland erreichen.

Was könnten wir tun, um mehr überregionale Presse zu erreichen?

Das ist dann tatsächlich der „Next Step“. Dafür ist dann einiges an Basisarbeit gefragt. Ihr könnt euch hinsetzen und für euch einen PR-Plan entwickeln mit euren eigenen Zielen und den Kern-Medien, in die ihr gern rein möchtet. Und dann ist das tatsächlich so ein bisschen Klinkenputzen.

Ihr sucht euch die entsprechenden Ansprechpartner bei den Medien heraus. Das bekommt man heute tatsächlich ganz einfach heraus in dem man dort anruft und fragt, wer denn für den Bereich zuständig ist. Ansonsten gibt es diese Informationen oft auch im Impressum des betreffenden Mediums.

Dann stellt ihr euer Unternehmen mit Link zur Pressemappe per eMail vor – oder ruft denjenigen direkt an und stellt euch persönlich vor.  Da muss man tatsächlich ein bisschen hartnäckig sein und Ausdauer beweisen. Nicht alle Jounalisten mögen es, angerufen und „überfallen“ zu werden, aber wenn man einen guten Aufhänger hietet, haben viele ein offenes Ohr.

Später empfiehlt sich auch ein Presseevent, zu dem man die Journalisten einlädt und dort sein Produkt vorstellt. Dabei bietet es sich in jedem Fall an, das Event so zu konzipieren, dass nicht nur das Produkt interessant ist, sondern auch das Drumherum.

Das sind im Groben die Next Steps, die ich empfehlen würde.

[Kathrin Franck] Je mehr ich über die Möglichkeiten von PR-Arbeit höre, desto wichtiger erscheint es mir für unser Fairwindel-Projekt zu sein.

Wo ist denn die Grenze zwischen „selbermachen“ wie wir es gerade tun – und der Zusammenarbeit mit einem PR-Profi, also dir?

Das ist ein Gedanke, den viele Gründer tatsächlich haben. Auf der einen Seite möchte man es gern selbst machen, weil man ja auch als Person sehr im Fokus steht, weil es das eigene „Baby“ ist und man selbst reden und netzwerken möchte. Und auf der anderen Seite hat man mit dem eigenen Business ja soviel zu tun, dass man für PR nicht so viel Zeit hat.

Und PR ist gleichzeitig eine der wichtigsten kommunikativen Maßnahmen, die ein Startup unternehmen sollte. Aus dieser Perspektive macht es auch Sinn, sehr früh mit einem Profi zusammen zu arbeiten, der ein entsprechendes Netzwerk hat, weiß wie die Instrumente funktionieren und wann man was macht. Und der sich dem Ganzen auch mit etwas mehr Priorität widmen kann.

Solch eine Zusammenarbeit vereinfacht vieles. Gleichzeitig muss man als Gründer aber auch bereit sein, einiges aus der Hand zu geben – obwohl man in der Praxis sehr eng zusammen arbeitet.

Wie würde so eine Zusammenarbeit zwischen uns denn aussehen? Was ist dein Part, was ist mein Part? Was machen wir gemeinsam?

Man arbeitet gerade am Anfang wirklich sehr eng zusammen. Dazu muss man von PR-Seite vor allem erst einmal das Unternehmen, die Historie und die USPs genau kennenlernen. Und letztlich verstehen, wie man kommuniziert.

Ich empfehle dazu am Anfang einen kleinen Workshop zu machen und gemeinsam alle Punkte durchzugehen, die wichtig sind.  Dazu kann man ein Brainstorming zu Fragen wie diesen machen:

  • Was sind die Kernbotschaften, die man verbreiten möchte?
  • Was sind die Medien, die man ansprechen möchte?
  • Was sind die Zielgruppen für die PR-Arbeit?
  • Was sind die wichtigsten Events oder Aktionen, die umgesetzt werden sollen?
  • Auf welchen Messen ist man vertreten?

Im Nachhinein sollte der PR-Profi einen PR-Plan entwickeln, in dem die Ergebnisse aus diesem Termin fixiert werden. Natürlich ist der Plan immer dynamisch. Und gerade bei Startups verändert sich noch so viel, dass man nach zwei Monaten oft nochmal einiges ändert. Aber dennoch ist es immer gut einen kleinen Fahrplan zu haben weil man da später immer wieder drauf zurückgreifen kann.

Und dann ist es wichtig, sich sehr regelmäßig abzustimmen, in Meetings oder auch am Telefon. Damit alles Hand in Hand geht. Die wichtigsten Entscheidungen müssen ja ohnehin von euch als Gründer getroffen werden. Wenn es bspw. darum geht, Interviewtermine wahrzunehmen seid ihr diejenigen, die interviewt werden – also müsst ihr auch entscheiden, wann ihr Zeit habt. Wichtig ist aber ein sehr enger Austausch. Und gleichzeitig habt ihr als Gründer den großen Batzen Arbeit nicht mehr.

[Kathrin Franck] Hochspannend! Ich für meinen Teil bin jetzt überzeugt, dass wir unser Handmade-PR ein Stückchen professioneller machen sollten. Die Pressemappe wird wohl der Anfang werden.

Auf jeden Fall! Das würde ich euch sehr empfehlen.

[Kathrin Franck] Liebe Katrin, ganz ganz herzlichen Dank für deine Inspiration und die Einblicke in deine Arbeit!

Hast du noch einen allerletzten Tipp, den du anderen Startups mit auf den Weg geben möchtest?

Allen Startup kann ich wirklich empfehlen: nutzt das PR-Instrument so früh wie möglich. Arbeitet eure USPs und Kernbotschaften heraus und macht es so, wie Kathrin und Dominic es für Fairwindel gemacht haben: fangt mit der Lokalpresse an und schaut, dass sich das Ganze immer weiter verbreitet.

Allerdings ist PR eben auch etwas, wo man wirklich immer wieder hinterher sein muss. Es ist eine langfristige Sache. Die ersten Erfolge stellen sich auch nicht unbedingt unmittelbar ein. Man muss dabei auch etwas Geduld mitbringen und dranbleiben. Es wird sich aber in jedem Fall lohnen!

[Kathrin Franck] Herzlichen Dank Katrin und viele Grüße nach München!