Webinar live oder aufgezeichnet?
Marketing

Muss ein Webinar eigentlich >live< sein?

„Kathrin das Webinar war großartig! […] Was mich aber noch interessieren würde: war das eigentlich live?“
So in etwa begann vor ein paar Tagen eine sehr anregende und inspirierende Unterhaltung mit einer Webinar-Teilnehmerin. Damit hat sie bei mir voll ins Schwarze getroffen. Denn genau diese Frage beschäftigt mich seit gut einem Jahr und eine richtige Antwort weiss ich nicht: müssen Webinare denn live sein?

„Interessante Frage, natürlich sind Webinare live – wie auch sonst?“ hätte ich noch vor 2 Jahren geantwortet. Bevor ich euch meine derzeitige Meinung und Vorgehensweise genauer erzähle, lasst uns am Anfang anfangen:

Wozu braucht man überhaupt Webinare?

Ich nutze Webinare etwa seit 2007 regelmäßig. Damals noch als „Key Account Manager“ – verantwortlich für größere Kunden, die über ganz Deutschland verteilt waren. Das Hauptargument meines Chefs war der Faktor „Reisezeit und -kosten“. Mit Webinaren und Online-Meetings sollten wir produktiver arbeiten, mehr Termine machen und weniger Kosten verursachen.

Heute als Solo-Unternehmer sind es (witzigerweise) genau diese Punkte, die mich auch veranlassen, Webinare zu nutzen um 3 Ziele zu erreichen:

Kontaktpflege mit Kunden und Seminarteilnehmern, die mich schon kennen. Wir wissen ja alle: Neukunden zu gewinnen ist um Faktor 7-10 aufwändiger als bestehende Kunden weiterhin glücklich zu machen. Meine investierte Zeit in kostenfreie Webinare lohnt sich daher doppelt: wir bleiben im Gespräch und ich bringe neue Themen ein. Aus manchen entwickeln sich neue Projekte und Aufträge. Aus anderen nicht.

Vertrauensaufbau mit Menschen meiner Zielgruppe, die mich bisher noch nicht kennen bzw. noch nicht mit mir gearbeitet haben. Früher bin ich zur „Neukundenakquise“ durch Deutschland gereist und habe auf persönlichem Wege das versucht, was Webinare heute für mich leisten: Vertrauen aufbauen und Einblicke in meine Arbeit geben.

Und mein dritter Beweggrund wird dich vielleicht zum lächeln bringen: es macht mir einfach Spaß. Sowohl das Vorbereiten neuer Themen als auch das Webinar selbst.

Am Ende des Tages sind Webinare für mich damit ganz klar ein Teil meiner eigenen Kundenbindung und -gewinnung.

Tausend Tools und Möglichkeiten

Die Tatsache, dass sowohl Webinare als auch Online-Kurse zwischenzeitlich eine sehr hohe Akzeptanz (und damit auch Verbreitung) haben, gefällt mir persönlich sehr gut. Es ist eine wunderbare Möglichkeit das zu erreichen, was man früher „Work-Life-Balance“ nannte. Heute würde es sagen: um entspannt zu leben!

Es ist also auch für meine Zielgruppe in Ordnung, wenn nicht gar sehr praktisch, dass nicht jeder Termin oder jedes Seminar in persona und 1:1 stattfinden muss.

Neben den klassichen Webmeeting-Tools, mit denen ich vor fast 10 Jahren gestartet bin, gibt es zwischenzeitlich viele neue Ansätze wie Webinare gestaltet und durchgeführt werden können. An dieser Stelle stellvertretend zwei Beispiele, die über die klassichen „Webmeeting“-Tools wie z.B. GoToWebinar hinausgehen:

Edudip ist bspw. eine „Plattform für live Online-Seminare“ – hier kann ich meine eigenen Webinare anbieten, aufzeichnen und ggf. hinterher als Aufzeichnung sogar verkaufen. Allerdings müssen sich die Teilnehmer in fast allen Fällen auf edudip registrieren (was mir persönlich gar nicht gefällt).

Google bietet mit seinen Hangouts on Air eine sehr charmante Möglichkeit, ein Webinar live zu veranstalten. Nackt über google genutzt, ist es allerdings eher ein broadcasten – für mich als Veranstalter ist unklar, wer wirklich einschaltet. Die Übertragung wird ebenfalls aufgezeichnet und kann hinterher weiter verwendet werden.

Um diese Hangouts on Air haben sich zwischenzeitlich viele Tools und Ideen entwickelt, die ergänzen, was man sich als Veranstalter wünscht: Klarheit über Teilnehmerkreis, geschützer Zugang zum Webinar, Verbindung zum eigenen Newsletter-System usw.

Früher kämpfte ich damit, dass die Technik auf „Kundenseite“ mitspielt und die Bildübertragung klappt. Heute mach ich mir darüber eigentlich Gedanken mehr: es läuft alles im Brower. Dafür stehen nun Fragen im Raum wie „live“ oder „quasi-live“? Oder soll es „kostenlos“ stattfinden?

Was tun mit Webinar-Aufzeichnungen?

In nahezu jedem Fall wird ein Webinar aufgezeichnet. Manche Veranstalter lassen die Aufzeichnung noch einige Tage online für diejenigen, die verhindert waren. Jeff Bullas macht es ganz anders: er verkauft denn Mitschnitt direkt im Anschluss für knappe 20 Dollar. Und wieder andere nutzen sie, um hinterher quasi-live-Webinare anzubieten.

Ich selbst habe in der Vergangenheit die Aufzeichnungen sehr lange online gelassen und immer wieder angeboten. Mit dem Ergebnis: es wird kaum in Anspruch genommen. Und wenn, dann passiert eher das, was wir vom Fernsehen kennen. Man nimmt einen Spielfilm am Abend auf, um ihn dann hinterher im Schnelllauf-Modus querzusehen.

Das macht natürlich weder für den Spielfilm noch für das Webinar Sinn: beide sind bewusst mit einem Spannungsbogen, didaktischer Planung und (im Fall des Webinars:) einer Handlungsaufforderungen aufgebaut. Wer das ganze also nur überfliegt, wird wenig daraus mitnehmen. Daher sind reine Webinaraufzeichnungen aus meiner Erfahrung fast nutzlos, wenn sie nicht gezielt auf andere Art weiter verwendet werden.

Einen Teil meiner Webinaraufzeichnungen schneide ich hinterher in kleine Elemente, die inhaltlich zusammengehören und stelle sie meinen Seminarteilnehmern zum Vertiefen zur Verfügung. Das funktioniert gut und das Feedback zur diesen kurzen Einheiten ist sehr positiv.

Mein Denkanstoss: quasi-live-Webinare?

Dennoch: ich war weiter auf der Suche nach einer sinnvolleren Verwendungsmöglichkeit. Immerhin habe ich viel Arbeit in die Vorbereitung gesteckt. Im Schnitt habe ich 2 bis 3 Termine zu einem Thema angeboten. Mehr war zeitlich für mich nicht machbar.

Ich stolper seit einem guten Jahr nahezu täglich über automatisierte Webinare. Und war lange hin- und hergerissen von dieser Möglichkeit. Kürzlich war ein früherer Arbeitskollege auf einen Kurzbesuch bei mir und ich erzählte ihm von meinem inneren Zwist zu diesem Thema. Er ist selbst sehr vertraut mit Webinaren und schaute ich völlig irritiert an.

„Warum denn nicht Kathrin? Du machst dich doch tot, wenn du jeden Termin live machen willst. Und dann wird ausgerechnet an diesem Tag eines deiner Kinder krank. Mach dir doch nicht immer solchen Stress…

Nach dieser direkten Ansage machte ich mich auf die Suche nach einer sinnvollen Umsetzungsmöglichkeit. Mir war nur eines wichtig: nichts Handgestricketes. Und nichts, wozu ich technisches Wissen brauche oder viel Zeit investieren muss.

Die Idee dahinter fand ich jeden Tag besser: ich könnte viel mehr Termine anbieten, so dass niemand mehr absagen muss, weil es zeitlich nicht passt. Außerdem müsste niemand mehr 1 Woche oder länger warten, bis es „endlich“ los geht. Immerhin leben wir in einer Gesellschaft, die auf SOFORT und JEDERZEIT eingestellt ist. Dabei machen Webinare gewiss keine Ausnahme.

Mein Selbstversuch mit automatisierten Webinaren

Nachdem ich mit mit der Lösung von Webinaris vertraut gemacht habe, begann im September mein Feldtest. Folgendes ist mein Plan: der erste Webinartermin findet weiterhin live statt. Ansonsten gäbe es ja keine live-Aufzeichnung. Keine mit Versprechern und manchmal kleinen Pannen.

Dazu lade ich alle Menschen ein, die bereits an einem früheren Webinar teilgenommen haben. Das ist also eher eine kleine und ausgesuchte Runde von Menschen, die mich schon ein wenig kennen. Hier bekomme ich wie immer sehr direktes Feedback. Falls sich daraus gravierender Bedarf zur Überarbeitung ergibt, findet der zweite Termin ebenfalls live statt. Bisher war das allerdings nicht der Fall.

Alle weiteren Termine laufen quasi-live. Konkret bedeutet das, du kannst dich den ganzen Monat lang zum aktuellen Webinar anmelden, suchst dir die für dich passende Zeit aus und wirst genauso gefesselt den Inhalten folgen wie die Teilnehmer des ersten Termins.

Auf einen Punkt hatte ich allerdings keine Antwort. Und genau darauf wurde ich direkt nach den ersten Terminen angesprochen: muss ich eigentlich dazu sagen, wann es sich um einen live-Termin handelt?

Die massenweise Verbreitung der automatisierten Webinare spricht definitiv für diese Art der Umsetzung. Nirgends habe ich einen Hinweis gelesen, dass es eine Aufzeichnung ist. Und ganz ehrlich: obwohl ich selbst sofort erkenne, ob es live ist, stört es mich nicht, eine Aufzeichnung anzusehen. Daher habe ich mich (vorerst) entschieden, auf diesen Punkt nicht explizit einzugehen. Wer bereits ein früheres Webinar besucht hat, bekommt ohnehin die Einladung zum Live-Termin.

Meine Perspektive

In Zukunft werde ich in der Einladung zum ersten Termin sehr deutlich machen, dass dies der Live-Termin ist. Und darauf, dass nur diejenigen eingeladen wurden, die bereits frühere Webinare besucht haben.

Mein Feldtest läuft insgesamt 6 Monate, jedenfalls habe ich es so geplant. Bilanz werde ich im März ziehen und berichten, was sich in diesen Monaten noch ereignet hat bzw. was geändert werden musste.

Bis dahin freue ich mich, trotz vollem Terminkalender Webinartermine anbieten zu können und ein stückweit unabhänger zu sein von den alltäglichen und unerwarteten Herausforderungen, die zwei kleine Kinder so mit sich bringen.

Hast du Lust, das aktuelle Webinar anzuschauen und dir selbst ein Bild zu machen, was ein automatisiertes Webinar ist? Meld dich an – ich freu ich auf dein Feedback dazu!

  • Die Aufzeichnung ist auch eine Idee, wenn man zusätzlich noch Fragen per Chat beantworten möchte. Man kann sich ja nicht zerreißen und so könnten Teilnehmer zuhören UND Fragen stellen und bekämen live die Antwort. Ich müsste mich dann nicht zerreißen und auf mehreres gleichzeitig reagieren. Ein guter Gedanke! Gruß Nadja

    • kathrin

      Hi Nadja, ich überlese während des Webinares tatsächlich nahezu alle Kommentare. Multitasking klappt einfach nicht. Allerdings kann man bei einer Aufzeichnung dann auch nur per Chat antworten oder die Fragen im Nachgang nochmal aufgreifen. Das Video an sich ist ja eben aufgezeichnet. Bin selbst sehr gespannt, inwiefern in den nächsten Monaten an dieser Stelle akuter Bedarf an Änderungen am Konzept aufkommt. Ich werde berichten. Herzliche Grüße, Kathrin

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