Elterngeld für Selbständige
Kolumne

Elterngeld für Selbständige: mein Resümee und Tipps für dich

Kaum zu glauben – der Kugelbauch auf dem Bild (ja, das bin wirklich ich) ist schon seit 15 Monaten passé. Naja, jedenfalls im Großen und Ganzen. Zeit, Bilanz zu ziehen zu meiner persönlichen Erfahrung zu, Thema „Elterngeld für Selbständige“.

Im Folgenden findest du die wichtigsten Unterschiede zwischen dem Elterngeldbezug Angestellter und Selbständiger. Außerdem meine persönliche Erfahrung und den ein oder anderen Tipp für diejenigen, die es selbst betrifft. Ohne Gewähr – und aus persönlicher Erfahrung und Recherche berichtet.

Es gibt so einige Abweichungen in den Regelungen des Elterngeldes, die man (Frau) besser sehr früh kennen sollte. Dann kann man diese Regelungen sehr gut für sich nutzen, statt sich hinterher drüber zu ärgern.

Besonders bei der Berechnungsgrundlage des Elterngeldes und im Falle von „Teilzeit“-Arbeit während der Elterngeld-Monate weichen die Vorgehensweisen stark von denen für Angestellte ab. Damit du dich also nicht hinterher ärgerst, erzähl ich dir hier, wie es bei mir (gut) funktionierte und worauf man schon im Vorfeld achten sollte.

Anspruch auf Elterngeld für Selbständige

Anspruch auf Elterngeld haben grundsätzlich alle Eltern, die vor der Geburt des Kindes erwerbstägig waren und nun maximal 30 Wochenstunden (bzw. 120 Stunden / Monat bei Selbständigen) arbeiten.

Es gibt allerdings ein Ausschlusskriterium bei „hohen“ Familieneinnahmen: ab 250.000 Euro (Alleinstehend) bzw. 500.000 Euro (verheiratet) im Bemessungszeitraum (siehe unten) gibt es keinen Anspruch auf Elterngeld. Weder für Selbständige noch für Angestellte.

Die Anspruchsberechtigung kann man auch hier nochmal nachlesen:

http://www.familien-wegweiser.de/wegweiser/Service/fragen-und-antworten.html?frage=162796

Du wirst lachen, ich habe mich zum Thema Elterngeld für Selbständige schon schlau gemacht, bevor ich wieder schwanger war. Schlicht und ergreifend, weil ich es entspannter finde ordentlich planen zu können. Für das Kinder-Bekommen klappt die Planung nicht zwangsläufig, für das Elterngeld aber definitiv.

Ich selbst habe von Juni 2014 bis August 2015 insgesamt 12 Elterngeld-Monate in Anspruch genommen. Etwa die Hälfte davon als komplette Arbeitspause, die andere Hälfte als Teilzeit-Elternzeit (wenngleich ich eigentlich nicht zum Arbeiten kam. Aber das ist ein anderes Kapitel).

Mein Mann als Angestellter hat ebenfalls 2 mal 1 Monat Elternzeit genommen. Für ihn galten entsprechend die Regeln für Angestellte. Der Mix aus selbständig & angestellt war kein Problem für Elterngeld-Behörden.

Berechnungsgrundlage & frühzeitige Hochrechnung

Hier kommt der erste gravierende Unterschied: bei Angestellten gilt: die letzten 12 Monate vor der Geburt des Kindes sind Berechnungsgrundlage.

Bei Selbständigen gilt: das letzte volle WIRTSCHAFTSJAHR ist die Berechnungsgrundlage. Das ist meist das letzte volle Kalenderjahr.  Bei meiner Entbindung im Juni 2014 galt für mich also das Jahr 2013 als Grundlage.

Da ich das schon bei Beginn der Schwangerschaft wusste, habe ich bereits im Herbst 2013 kalkuliert wieviel Gewinn ich erzielen muss, um möglichst hohes Elterngeld zu erhalten. Vor allem zum Jahresende ist es dann eine Überlegung wert, Ausgaben ggf. auf das neue Jahr zu schieben und seine offene Rechnung im „alten Kalenderjahr“ einzutreiben.

Ich habe dazu meine Kunden ganz offen ins Boot geholt um eine Lösung zu finden, die Dezember-Rechnungen auch noch im Dezember ausbezahlt zu bekommen.

Entgegengesetzte Überlegungen sollte jeder treffen, der nahe der Obergrenze von 250.000 bzw. 500.000 Euro liegt: hier helfen Auszahlungen im neuen Jahr und Investitionen im alten Jahr ggf. den Elterngeld-Anspruch zu erhalten.

Berechnung des Elterngeldes

Dieser Punkt ist für Angestellte denkbar einfach. Für Selbständige alles andere als durchschaubar. Ich wusste erst mit dem Bescheid, wieviel Elterngeld ich wirklich bekomme. Seit 2013 gibt es zwar eine Vereinfachung für Selbständige, durchsichtig war es für mich trotzdem nicht so ganz.

Wer diese „Vereinfachung“ nachlesen möchte, findet sie hier:

http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Abteilung2/Pdf-Anlagen/informationspapier-_C3_A4nderungen-elterngeld,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf

Hintergrund dieser Herausforderung ist die Tatsache, dass Elterngeld auf dem bisherigen Netto-Einkommen basiert. Als Selbständige haben wir jedoch keine Netto-Einnahmen, sondern „Gewinn“.

Es muss also der Gewinn um die Größen Lohnsteuer und Sozialabgaben nach unten korrigiert werden. Und genau das wird pauschal vorgenommen, sprich es zählen nicht die tatsächlichen Kosten der Krankenversicherung, sondern eben eine Pauschalsatz. Darauf basierend wird dann das Elterngeld berechnet. Geschwisterboni usw. werden wie bei Angestellten zusätzlich ausgezahlt.

Hier findest du einen Elterngeld-Rechner. Dazu musst du deine eigenen Einnahmen auf „netto“ umrechnen bzw. eine Schätzung dafür eingeben.

http://www.familien-wegweiser.de/Elterngeldrechner

Einnahmen während des „vollen“ Elterngeldbezugs

Meine große Sorge war, dass Zahlungseingänge in den ersten Elterngeld-Monaten eintrudeln, die zu Leistungen aus den Monaten vor der Entbindung gehören. Ich hatte gelesen, dass diese das Elterngeld mindern werden. Diese Vorgehensweise klingt erstmal unfair, da diese Einnahmen ja in die Zeit vor der Elternzeit gehören. Da ich es früh wusste, habe ich also die betreffenden Kunden angesprochen mit Bitte um sehr schnelle Auszahlung, so dass mit der Entbindung offene Rechnungen komplett beglichen waren.

Meine Sorge war aber offenbar unbegründet, da Zahlungseingänge nur für jene Monate nachzuweisen waren, in denen ich Teilzeit während der Elternzeit gearbeitet habe. Es macht also Sinn, die ersten beiden Monate „volle“ Elternzeit zu nehmen insofern es die Umstände erlauben. Dann bleiben die Zahlungseingänge aus dem Zeitraum vor der Elternzeit ohne Kürzung.

Einnahmen während Teilzeit-Arbeit in Elternzeit

Ich hatte meine Elternzeit in 2 Teile gesplittet. In der 2-monatigen Paus dazwischen wollte ich ein geplantes Projekt umsetzen (es kam natürlich dann doch anders…).

Den zweiten Teil meiner Elternzeit habe ich dann anders als ursprünglich geplant Teilzeit gearbeitet. Dazu habe ich vor Aufnahme der Tätigkeit einen formlosen Antrag auf Änderung des Elterngeldantrages gestellt.

Dann kam der Schock: die verbleibenen Elterngeld-Monate erhielt ich nur den Sockelbetrag von 300 Euro / Monat. Erst nach Ende der gesamten Elternzeit (also jetzt) wurde mir mit dem Nachweis der tatsächlich erzielten Einnahmen der Rest ausbezahlt.

Von anderen Selbständigen in Elternzeit weiß ich aber, dass der Sachbearbeiter hier offenbar Spielraum hat. Mit einem schlüssigen Konzept zur Höhe der erwarteten Einnahmen in diesen Teilzeit-Monaten hätte ich vermutlich eine höhere Vorauszahlung erhalten.

Fakt ist aber, das Elterngeld für Selbständige wird bei Teilzeitarbeit vorläufig gezahlt und erst mit dem Nachweis der tatsächlich erzielten Einnahmen festgesetzt. Unterzahlungen wie bei mir werden ausgezahlt, Überzahlungen werden zurück gefordert.

Der Nachweis der tatsächlichen Einnahmen wurde mit einer Frist von 6 Wochen nach Ende der Elternzeit verlangt. Einen Hinweis dazu gab es nur im vorläufigen Bescheid. Ich weiß nicht, ob sich die Elterngeldstelle nochmals gemeldet hätte oder ob die Ansprüche ansonsten verfallen wären. Wohl dem, der sich an diese Frist hält – die zu erwartende Nachzahlung war mir Motivation genug, hier zügig aktiv zu werden.

Umfang für Teilzeittätigkeit

Angestellte dürfen bis zu 30 Wochenstunden arbeiten und erhalten weiterhin (gekürztes) Elterngeld. Bei Selbständigen ist es etwas flexibler: 120 Stunden pro Lebensmonat. Die Verteilung auf einzelne Wochen ist nicht relevant. Das fand ich ausgesprochen fair!

Wer also mit 120 Stunden im Monat wieder sehr gut verdient, dem bleiben weiterhin mindestens 300 Euro Elterngeld. Wer einfach ein wenig dazu verdient, dem wird das Elterngeld anteilig gekürzt, genau wie Angestellten.

ACHTUNG: Teilzeittäigkeit hat unter Umständen Einfluss auf die Krankenversicherung. Siehe unten.

„Freistellungen“ und „Mutterschutz“

Alle Schutzinstrumente, die es für Schwangere und Mütter gibt, sind für Angestellte konzipiert. Diese müssen offenbar vor ihren Arbeitgebern geschützt werden. Selbständige dürfen (müssen) sich selbst schützen.

Auf gut Deutsch: dich kann niemand freistellen, falls du während der Schwangerschaft nicht fit bist. Falls du aufgrund der Schwangerschaft im Vorjahr aber weniger arbeiten kannst, kannst du mit entsprechendem Nachweis auch einen alternativen Zeitraum als Bemessungsgrundlage heranziehen lassen.

Das macht vor allem für Entbindungen im Januar Sinn: Vermutlich arbeitest du nicht bis 31.12. wenn der geplante Entbindungstermin der 1.1. ist. Hier ist aber wichtig, sich ein Attest vom Arzt ausstellen zu lassen oder aufgrund von Krankschreibung bspw. den Erhalt von Krankentagegeld nachzuweisen.

Auch „Mutterschutz“ gibt es nicht für uns. Es ist nämlich ein Angestellten-Mutterschutz. Ich selbst habe trotzdem 6 Wochen vor Termin aufgehört zu arbeiten. Zu diesem Zeitpunkt bin ich dann in die Familienversicherung meines Mannes gewechselt, so dass die laufenden Kosten der Krankenkasse wegfielen.

Alternativ ist auch die Zahlung von Mutterschaftsgeld durch die Krankenkasse möglich – das setzt aber voraus, dass diese Leistung im gewählten Tarif enthalten ist (war bei mir nicht der Fall). Die Höhe ist allerdings eher ein Witz, leben kann davon niemand.

Ab dem Tag der Entbindung besteht Anspruch auf Elterngeld. Anders als bei Angestellten wird das nun nicht mit dem Mutterschaftsgeld vom Arbeitgeber verrechnet – da wir ja keines bekommen.

Krankenversicherung während Elternzeit

Für Mitglieder privater Krankenkassen ändert sich in den meisten Fällen nichts. Es gibt allerdings einige Verträge, die eine Beitragsfreistellung für eine bestimmte Zeit nach der Entbindung vorsehen.

Ich selbst bin freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert und bin wie gesagt mit dem Beginn meiner selbst auferlegten Pause in die Familienversicherung gewechselt. Das funktioniert jedoch nur dann, wenn der Ehepartner ebenfalls gesetztlich versichert ist. Die Betonung liegt hier auf „Ehe“ – wer nicht verheiratet ist, hat keinen Anspruch auf Familienversicherung.

Falls kein Anspruch besteht, kann man sich trotzdem weiterhin in der gesetzlichen Versicherung versichern lassen. Ich hatte diesen Fall in der ersten Elternzeit und habe für diese freiwillige Versicherung rund 150 Euro / Monat gezahlt. Der Betrag ist unabhängig vom Einkommen des Mannes – diese Sonderform der Versicherung ist pro Kind für maximal 36 Monate möglich. Auch dann, wenn der Ehepartner privat versichert ist bzw. man nicht verheiratet ist.

ACHTUNG: mit Aufnahme von Teilzeittätigkeit kann die Voraussetzung für die Familienversicherung bzw. Versicherung als „sonstiger Personenkreis“ entfallen. Das gilt bei Überschreitung einer bestimmten Stundenzahl und bestimmter (sehr geringer) Einnahmegrenzen. Hierzu bitte unbedingt vorher mit der Krankenkasse sprechen. Ich selbst lag aufgrund ungeplant neuer Umstände unter diesen beiden Grenzen und war weiter familienversichert.

Neuerungen seit 2015

Für Kinder, die ab Januar 2015 geboren wurden gibt es einige Änderungen in Bezug auf die flexible Einteilung der Monate, insbesondere bei Teilzeitarbeit. Das ganze findet man unter dem Stichwort „Elterngeld Plus“. Damit habe ich allerdings keine Erfahrungen gemacht. Wer dazu mehr lesen will, findet hier Informationen:

http://www.elterngeld.net/elterngeldplus.html

Meine Tipps kompakt:

  1. Prüfe sehr frühzeitig, auf welchem Zeitraum deine Elterngeld berechnet werden wird – und versuche, diese Einnahmen zu optimieren!
  2. Bei Entbindungsterminen im Januar/Februar macht es ggf. Sinn, das Vor-Vorjahr zu nutzen und die letzten Monate bewusst kürzer zu treten. Dafür brauchst du ein ärztliches Attest /Nachweis.
  3. Achtung bei Dezember-Entbindungs-Terminen: falls der Zwerg wider Erwarten erst am 1.1. kommt, ist das Vorjahr auf einmal ein anderes als geplant. Auch hier wäre ein frühzeitiges Attest sinnvoll.
  4. Lege der Elterngeldstelle für Monate mit Teilzeit eine Prognose der Einnahmen vor – eher zu niedrig als zu hoch ansetzten, denn Rückzahlungen tun meist mehr weh als spätere Nachzahlungen.
  5. Falls du gesetzlich versichert bist: kläre frühzeitig, ob du Mutterschaftsgeld bekommst. Ansonsten wechsel mit dem Tag der Pause in den Familientarif bzw. die freiwillige Versicherung für „sonstige Personengruppen“. Letzteres ist wesentlich günstiger als die Versicherung für Selbständige.

Mein Fazit

Rückblickend muss ich sagen: die Elternzeit waren sehr schöne und anstrengende Monate für uns alle. Die Unterstützung, die Elterngeld auch für Selbständige bietet hat diese Monate sehr viel einfacher gemacht, als ich es vorher gedacht hätte.

Ich freue mich nun aber schon seit Wochen darauf, wieder in meinen geliebten Job eintauchen zu können das ganze wenn-dann-Gerechne mit Blick auf potentielle Aufträge wieder los zu sein.